Instandhaltung nach Fahrplan

Auf ihrem Weg über das rund 5.200 Kilometer umfassende Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn sind ICEs enormen Belastungen ausgesetzt. Abnutzung und Materialverschleiß gehören bei Geschwindigkeiten zwischen 200 und 300 km/h zum Alltag. Bedenkt man, dass die ICE-Flotte auf inzwischen über 260 Züge angewachsen ist, sind logistische Herausforderungen vorprogrammiert. Um regelmäßige Reparaturen und Wartungen zu planen und zu koordinieren, kommt es auf erfahrene Ingenieure wie Levent Süre an. In der Fahrzeugtechnik des ICE-Werks Hamburg-Eidelstedt kümmert sich Levent darum, dass auch die Instandhaltung nach einem genauen Fahrplan abläuft. Das Team vor Ort bringt so pro Tag über 20 ICEs wieder in Fahrt.

ICEs im Boxenstopp

Bis zu 70 Mitarbeiter sind im Dreischichtbetrieb an einem ICE im Einsatz. Die Aufgaben reichen von kurzen Routineprüfungen und Reinigungsarbeiten bis hin zu aufwendigen einwöchigen Revisionen, bei denen der Zug komplett durchgecheckt wird. „Ich unterstütze das Team und kümmere mich vorwiegend um Belange der technischen Entstörvorbereitung zur Optimierung der Instandhaltung”, erklärt Levent Süre seine Rolle. Auch um die Erprobung und den Einsatz neuer Komponenten, wie zum Beispiel Teile der Kühlanlage für die Dieselmotoren des ICE TD, kümmert sich der Maschinenbauingenieur. Großes Detailwissen, ein hohes Maß an Übersicht und Ausdauer sind notwendig, um trotz der hohen Komplexität reibungslose Abläufe zu gewährleisten.

„Das Verstehenwollen war für mich der Antrieb.“

Den Kopf im Weltraum, das Herz auf der Schiene

Schon als Kind begeisterte sich Levent Süre für Technik. Eine Leidenschaft, die allerdings nicht bei allen Mitgliedern seiner Familie auf Gegenliebe stieß: „Als Fünfjähriger habe ich immer die Spielzeuge meiner Geschwister auseinandergeschraubt und damit gebastelt. Ich wollte einfach wissen, wie sie funktionieren.” Sein einschneidendes Kindheitserlebnis fand allerdings weit entfernt von seinem Kinderzimmer statt und drehte sich um den deutschen Astronauten Thomas Reiter. Levent erinnert sich auch nach über 20 Jahren daran, wie gebannt er Reiters MIR-Mission 1995 im Fernsehen verfolgte: „Der Weltraum hat mich völlig fasziniert. Was passiert da eigentlich in der Schwerelosigkeit? Wie kann man da essen, trinken und schlafen?”


Vielleicht beginnt jede Ingenieurskarriere mit solchen Fragen, ganz gleich, ob sie uns ins All oder auf die Schiene führt. Levent Süre jedenfalls begann, sich auf seinen ganz persönlichen Weg zu machen. Dieser Weg führte ihn von der Hauptschule über das Gymnasium zum Maschinenbau-Studium und dort schließlich weiter zum Eisenbahnbau. „Im Studium habe ich an freiwilligen Projekten mitgearbeitet. Unser Professor wollte zum Beispiel, dass wir eine Modelleisenbahn im kleineren Maßstab nachkonstruieren”, erzählt Levent. Eine Erfahrung, die ihm zeigte, dass auch die Technik, die sich nicht in der Erdumlaufbahn befindet, hochinnovativ sein kann. Als sich die Chance ergab, für die Deutsche Bahn in der Fahrzeugtechnik zu arbeiten, musste Levent also nicht lange überlegen. Ob ihn sein Weg in Zukunft vielleicht doch noch mal in die Luft- und Raumfahrttechnik führt, lässt der Ingenieur offen. Aber auch auf der guten alten Erde warten auf ihn weiterhin spannende Herausforderungen bei der Instandhaltung von ICEs. Schließlich heißt es hier immer wieder: „Levent, we have a problem.“

Die VDI-Ingenieurgeschichten

Entdecken Sie, wie Ingenieure unseren Alltag verbessern und lassen Sie sich von der Vielfältigkeit des Ingenieurberufs überraschen.

Ingenieurleistungen sind allgegenwärtig, sie sind der Grundpfeiler des Standorts Deutschland und werden trotzdem viel zu oft verkannt. Das will der VDI nun ändern. Und zwar mit diesen Geschichten. Denn wer könnte besser für den Berufsstand sprechen, als echte Ingenieure?

JETZT ENTDECKEN