Bahn frei!

Mit einer Betriebslänge von rund 35.000 Kilometern gehört das deutsche Schienennetz zu den längsten der Welt. Und ebenso sicher ist es eines der am stärksten belasteten. Ob schwere Güterzüge oder schnelle ICEs, ob wechselnde Witterungsbedingungen oder Abnutzung und Korrosion – Bahngleise sind jeden Tag höchsten Belastungen ausgesetzt. Damit die Deutsche Bahn trotzdem pünktlich und sicher ihre Ziele erreicht, arbeiten Gleisbauexperten, wie die junge Bauingenieurin Juliane Thiel, jeden Tag aufs Neue an der Instandhaltung und Modernisierung der Trassen. „Jede Baustelle ist anders und hat ihre eigenen Herausforderungen“, sagt Juliane. Das gilt insbesondere für ihr aktuelles Projekt: die Sanierung der Strecke Sömmerda-Erfurt.

Gleisbau im Gleichschritt

„Ich muss im Vorhinein wissen: Mit welchen Gegebenheiten habe ich es zu tun? Wie gehe ich das am besten logistisch an?“, erklärt Juliane. Sobald sie sich einen Überblick verschafft hat, plant sie mit ihren Kollegen den kompletten Ablauf der Instandhaltung. Vor Ort tauschen dann bis zu 60 Mitarbeiter im Schichtbetrieb den Schotter im Gleisbett, wechseln die Betonschwellen und verlegen neue Schienen. Die Koordination von Manpower auf der einen und schwersten Maschinen wie Bagger, Schotterpflüge, Bettungsreinigungsmaschinen und Umbauzüge auf der anderen Seite, verlangt neben Organisationstalent auch viel technisches Know-how. Jeder Fortschritt wird von Juliane zudem genau dokumentiert, damit auch der Auftraggeber immer auf dem neuesten Stand bleibt.

„Einen typischen Tagesablauf gibt es im Gleisbau nicht.”

Auf der richtigen Schiene

Kaum ist ein Projekt abgeschlossen, wartet bereits die nächste Aufgabe auf Juliane Thiel. Diesmal geht es nicht um Wartung und Instandhaltung, sondern um das Gleis in die Zukunft. „Ab September ist unsere Baustelle der Streckenabschnitt von Erfurt nach Eisenach. Hier geht es um eine zukünftige Geschwindigkeitserhöhung der Strecke auf 200 km/h.” Die Baustelle ist Teil des ehrgeizigen Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) mit dem anspruchsvollen Ziel, die Fahrzeiten in und um den Osten Deutschlands signifikant zu verkürzen. Egal, ob es sich um ein Großprojekt wie VDE 8 oder um eine kleine Streckensanierung handelt, Juliane liebt diese Art von Herausforderungen: „Das ist genau das, was mir Spaß macht. Ich kann ausführen. Ich kann Sachen einfach verändern und besser machen. Ich sehe einen klaren Nutzen und Zweck in meiner Arbeit und die Leute in meiner Umgebung haben unmittelbar etwas davon.”


Die Faszination fürs Bauen und große Baustellen wurde bei Juliane früh geweckt. „Schon als Kind habe ich meine Großväter, die im Straßenbau gearbeitet haben, auf Baustellen begleitet. Ich habe viel von ihnen lernen können, und profitiere auch heute noch von ihren guten Ratschlägen.”

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