Was man für eine bessere Welt braucht?

Eine gute Idee und 80 Watt.

Julian Dobczinski
Student Wirtschaftsingenieurwesen

Roadtrip ins Ungewisse

„Wir waren schon ziemlich am Ende unserer Kräfte, hatten keine gute Ausrüstung, kaum noch Benzin und vor allem nicht genug zu essen“, erinnert sich Julian Dobczinski, Student für Wirtschaftsingenieurwesen, an seinen ersten Motorradausflug nach Kambodscha. Im Rahmen seines Auslandsjahres in Thailand hatte sich Julian mit einem Kommilitonen zu einem kleinen Ausflug durch das Nachbarland aufgemacht. Was als Roadtrip begann, wurde zu einer Odyssee durch Kies, Sand und Schlamm. Nach vier Stunden war an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken und die Situation wurde langsam bedrohlich. Aber zum großen Glück für die gestrandeten Studenten trat unvermutet ein Kambodschaner aus dem Grün des Dschungels.

Zu Gast bei Freunden

Socheat, so der Name des Retters, nimmt die beiden herzlich in seiner kleinen Hütte auf und tankt am nächsten Morgen mit seinen wenigen Benzinvorräten die Motorräder nach. Zum Abschied werden Dank, beste Grüße und sogar Handynummern ausgetauscht. Für Julian beginnt das nächste Abenteuer: er möchte Socheat helfen an Elektrizität zu kommen da er, wie die Mehrheit in Kambodscha, nicht an das Stromnetz angeschlossen ist. Ohne Infrastruktur vor Ort fällt die Wahl auf eine dschungeltaugliche Solaranlage. Das bedeutet: einfach, zuverlässig und leicht zu warten. Neben zwei 40-Watt-Solarpanels finden sich in Julians Entwurf vor allem leicht zu beschaffende Autoteile. Nach ein paar Monaten Entwicklungszeit ist es endlich so weit.

„Ich wollte ihm danken und hatte die Idee, ihm ein Stück weit mein Wissen zu vermitteln.”

Im Dschungel brennt noch Licht

Mit der Anlage im Gepäck begibt sich Julian auf den nach wie vor abenteuerlichen Weg zurück zu Socheat. Nach dem erfolgreichen Aufbau wird als Erstes das Licht angeschlossen und anschließend eine kleine Musikanlage. Noch wichtiger: Socheat kann jetzt jederzeit über elektrische Geräte wie Radio und Mobiltelefon verfügen. „Wenn man so isoliert und abgeschottet lebt, dann sind soziale Kontakte und Informationsaustausch wahnsinnig wichtig.”
 
Für Julian war es vor allem ein persönlicher Erfolg, das Projekt umzusetzen und ein perfektes Beispiel für die schönen Seiten an seinem Beruf: „Am Ingenieurberuf reizt mich vor allem, wie man mit Technik Menschen begeistern und die Welt verändern kann. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Technik Einfluss zu nehmen. Man muss nur dafür Leben und ein bisschen Herzblut reinstecken. Das ist ganz wichtig.” Jetzt hofft er, dass seine Geschichte einen Teil dazu beitragen kann, andere zu begeistern und zu inspirieren. 80 Watt gilt es zu überschreiten. Längst hat Julian neue Projekte in Planung: „Ich kann mir vieles vorstellen – mich fasziniert auch das Umdenken hier in Deutschland. Da gibt es wirklich spannende Ideen und Konzepte.”

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