Roboter werden zu sozialen Partnern

Robotik, kombiniert mit künstlicher Intelligenz, wird unser Leben und Arbeiten in den nächsten Jahrzehnten vermutlich massiv verändern. Neben leistungsfähigen Industrierobotern, sollen vor allem humanoide Roboter eine größere Rolle im Alltag spielen. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden sie als intelligente „soziale Partner” in der Medizin und Pflege einfache bis komplexe Aufgaben übernehmen. Um sich perfekt an die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft anzupassen, müssen diese Roboter lernen, ihr menschliches Gegenüber zu verstehen. Ivo Boblan von der Beuth Hochschule in Berlin forscht an dieser Entwicklung. Angetrieben wird er dabei von einer Frage: Wie viel Mensch darf im Roboter stecken?

Aus Mensch und Maschine wird eine interaktive Einheit

Haben Mensch und Maschine bislang meist über Knöpfe, Schalter, akustische Signale und Displays interagiert, geht die Entwicklung heute hin zu Systemen, die mit Menschen ganz natürlich über Sprache und Gestik kommunizieren. Als Ingenieur hat Ivo Boblan sich schon früh auf die Mensch-Roboter-Interaktion spezialisiert und nutzt heute seine Chance, auf die spannenden Herausforderungen der Zukunft direkt Einfluss zu nehmen. "In meiner Grundlagenforschung untersuche ich die Kriterien, die Mensch und Technik intuitiver miteinander interagieren lassen. Dabei geht es auch darum, biologische Voraussetzungen, persönliche Vorlieben und gesellschaftliche Erfordernisse unter einen Hut zu bringen", erklärt Boblan.

„Roboter sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern ergänzen.”

Nah an menschlichen Fähigkeiten

Sein Rüstzeug als Ingenieur mit den Schwerpunkten Robotik, Regelungstechnik und Bionik erwarb Ivo Boblan an den Technischen Universitäten in Dresden und Berlin. Ein Highlight seiner Forschungsarbeit ist der pneumatische Muskelroboter ZAR5. Mit seiner feinmotorischen Haptik und Reaktionsfähigkeit ist dieser zweiarmige humanoide Roboter bereits in der Lage, komplexe Interaktionen durchzuführen. Auf der Hannover Messe durfte der ZAR5 sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel medienwirksam die Hand schütteln. „Ziel ist es, dass der Roboter die Intention seines Gegenübers intuitiv richtig interpretiert und danach zuverlässig die gewünschten Aktionen vollzieht”, erläutert Ivo Boblan.


Im Zentrum der Arbeit stehen bei Ivo Boblan immer wieder anspruchsvolle Aufgaben und Fragestellungen: Wie kann die Mensch-Maschine-Interaktion durch Sensoren und Aktoren optimiert werden? Welche Algorithmen spielen bei der Verarbeitung und Fusion von Haptik und Wahrnehmung eine Rolle? Welche gesellschaftspolitischen Gegebenheiten, Bewertungen und Normen müssen im Rahmen des demografischen Wandels berücksichtigt werden? „Das wirklich Erfüllende an meinem Job ist, dass ich durch die Entwicklung von humanoiden Robotern das alltägliche Leben einfacher und menschlicher gestalten kann, insbesondere auch das von Älteren, Kranken und Menschen mit Behinderungen. Insofern ist jede technische Herausforderung der Zukunft für mich zugleich auch eine zutiefst menschliche.”

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