Spritsparend zur Startbahn

Der Blick aus dem Büro von Gerhard Baumgarten, Leiter der Abteilung Innovation bei Lufthansa LEOS, lässt die Dimensionen erahnen. Am Airport Frankfurt, Europas drittgrößtem Verkehrsflughafen, werden im großen Stil Menschen und Waren bewegt. Das sind viele Tonnen verbrauchtes Kerosin und ein nicht geringer Teil verbrennt auf dem Weg vom Gate zur Startbahn. Mit dem Taxibot, einem Flugzeugschlepper, haben Gerhard Baumgarten und sein Team um Projektingenieur Bernhard Weiß jetzt ein Pilotprojekt umgesetzt, das Flugzeuge bei ausgeschalteten Triebwerken zur Startbahn bringt. Pro Start werden so bis zu 600 Liter Kerosin bei Großraumjets eingespart. Die Idee ist nicht neu. Ihre Umsetzung stellte Ingenieure jedoch lange vor große Probleme.

Wie bewegt und bremst man 570 Tonnen?

Einen Airbus A380 in Bewegung zu setzen ist einfach. Schwierig wird es beim Bremsvorgang. Wenn ausschließlich der Schlepper anfährt und stoppt, entlädt sich die gesamte Masse der Maschine auf das eher filigrane Bugrad. Genau hier setzt der Taxibot an: Das Bugrad ist auf einem Drehteller untergebracht, der die Lenkbewegungen des Piloten durch Sensoren auf den Schlepper überträgt. Auch gebremst wird über die Flugzeugbremsen – dadurch wird die Bremslast gleichmäßig verteilt. Das Problem, ein Flugzeug sicher und effizient über das Flughafengelände zu befördern, hat der Taxibot gelöst. Jetzt folgte die noch größere Herausforderung: um das Projekt zu realisieren, müssen nicht nur Flugzeuge, sondern ein ganzer Flughafen in Bewegung gebracht werden.

"Mit dem Taxibot können rund 80% des Treibstoffverbrauchs auf dem Weg zur Startbahn eingespart werden."

Ein gemeinsames Ziel und tausend Hürden

Luftfahrt ist schließlich ein hochsensibles Thema und jede Form der Veränderung ein großer Aufwand. "Was wir hier gemacht haben, verlangte die Koordination zwischen mehreren Nationen, dem Flughafen, dem Pilotenbereich, der Flugsicherung bis hin zum hessischen Ministerium", sagt Weiß. Für ein Projekt dieser Größe braucht man viel Durchhaltevermögen und das geht nur mit einer gemeinsamen Vision. "Man muss selbst für das Thema brennen, damit man andere anstecken kann", sagt Baumgarten. Denn nur mit einem gut funktionierenden Team ist es möglich, ein Großprojekt wie den Taxibot umzusetzen. Dann macht es auch sehr viel Spaß und man kann von unterschiedlichen Kulturen, Arbeits- und Denkweisen viel für sich selbst mitnehmen.


"Man sollte nicht akzeptieren, dass die Dinge so sind, wie sie sind."


Das ist für Weiß auch die Essenz des Ingenieurberufs: "Man sollte nicht akzeptieren, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen und überlegen: Ist das wirklich schon die endgültige Lösung oder gibt es nicht doch einen anderen Weg?" Und selbst bekannte Wege lassen sich, wie der Taxibot bewiesen hat, immer auch ein Stückchen besser zurücklegen.

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